Segelrevier Nordsee

Helgoland in Sicht. Wir haben es geschafft. Nach zehntägiger Nonstop-Fahrt durch den englischen Kanal, durch die südliche Nordsee. Vorbeigemogelt an den Verkehrstrennungs- gebieten vor Maas und Schelde, Kreuzschlag für Kreuzschlag die holländische Küste hinauf, vorbei an den westfriesischen und ostfriesischen Inseln. Die letzten Stunden vor dem Hafen vergehen schnell. Da werden Pläne geschmiedet, wo man zum Abendessen geht, welche Bar man noch aufsuchen will. Doch meistens kommt es anders.

Bis das Schiff festgemacht und aufgeklaart ist, ist es dunkel geworden. Noch schnell unter die Dusche - abgeschlossen. Wieder nur Hochsee-Katzenwäsche. Dann losmarschieren zum Essen: das Restaurant gibt es nicht mehr. Irgendwo im Unterland bekommt man dann doch noch etwas. Die Bar - auch geschlossen.

Solche oder ähnliche Erlebnisse auf Deutschlands einziger "Hochseeinsel" Helgoland, vor den Mündungen von Elbe und Weser gelegen, haben sicher auch andere gemacht. Nicht so an den "Feiertagen" der Segler: zu Himmelfahrt und zu Pfingsten ist der Helgoländer Südhafen so voll, daß man mit etwas Glück trockenen Fußes quer über das Hafenbecken marschieren kann. Da werden dann auch die Öffnungszeiten der Gastronomie angepasst.

Überhaupt - Helgoland ist wohl das am häufigsten angesteuerte Ziel an der deutschen Nordseeküste. Nicht nur wegen des zollfreien Einkaufs von Tabak und Spirituosen. Wer auf See von schlechtem Wetter und Starkwind überrascht wird, ist gut beraten, die Flußmündungen und Barren zu den Festlandshäfen mit ihren manchmal sehr schweren Grundseen zu meiden und Helgoland als Nothafen anzulaufen.

Die Nordseeküste zwischen dem dänischen Jütland bei Esbjerg und dem holländischen Zeeland bei Den Helder wird durch eine einzigartige Landschaftsform geprägt: dem Wattenmeer. Bei Flut Wasserfläche, bei Ebbe trockengefallenes Land. Vor den Watten liegen die Inseln wie ein Schutzschild: im Norden Fanö, Manö, Römö und Sylt, im Süden Terschelling, Vlieland und Texel. Dazwischen die Nordfriesischen, die Ostfriesischen und die Westfriesischen Insel.

Ein Segelrevier der Extraklasse, das hohe Anforderungen an Schiff und Mannschaft stellt. Solide Kenntnisse in der terrestischen Navigation und der Gezeitenkunde sind hier ein absolutes Muß. In der gesamten Nordsee sind die Verkehrstrennungsgebiete und ihre Befahrensregeln genau zu beachten. Man sollte Wetteränderungen auch aus eigener Beobachtung feststellen können. Die Seemannschaft an Bord muß einen hohen Standard haben, um in schwierigen Situationen Schiff und Mannschaft sicher in den Hafen zu bringen.

Pfingsten 2001, Foto: Jan Kruse

Für den Hamburger Segler ist Cuxhaven das Sprungbrett in die Nordsee. Über die Aussenelbe erreicht man das freie Wasser und kann von dort aus seinen Kurs in alle Richtungen absetzen. Bei Starkwinden aus Südwest über West bis Nord steht hier eine lange und steile Grundsee, die auch an den übrigen Flußmündungen und Barren vor den, "Seegatten" genannten Durchfahrten zwischen den Inseln, die Schiffahrt stark beeinträchtigen können, manchmal das Passieren unmöglich machen.

Schiffe mit schwenkbarem Kiel, Kimmkieler, alle flachen Schiffe und eingeschränkt die mit kleinem Tiefgang, können auch die Watten befahren. Viele Priele sind durch Priggen gekennzeichnet und ermöglichen die Durchfahrt zwischen den Inseln sowie die Anfahrt auch sehr kleiner Häfen, die meist in einem Siel am Festlandsdeich oder der Ostseite der Inseln liegen. Für das Befahren des Wattenmeeres sind in den letzten Jahren durch die Einrichtung des "Nationalparks Wattenmeer" neue Regeln aufgestellt worden, sie sind zu beachten. Revierneulinge sollten sich unbedingt umfassend vor ihrem Törn über den Weg zu ihrem Ziel informieren und Ratschläge von Revierkennern annehmen.