Inmitten der Großstadt Hamburg liegt das Hausrevier des Hamburger Segel-Clubs, die Hamburger Außen-Alster. Im 12. Jahrhundert zum Betrieb von Mühlen aufgestaut, ist der Mühlenteich heute als Erholungsraum in der City nicht mehr wegzudenken. Im 17. Jahrhundert wurden die Stadtmauern erweitert, und das ursprüngliche Staubecken, die heutige Binnen-Alster, in die Stadtanlage integriert. Vor den Toren der damals noch recht kleinen Stadt entstand durch weiteres Aufstauen die heutige Außen-Alster auf einer Fläche von rund 180 Hektar. Ebenfalls seit dem 17. Jahrhundert wird die Alster von stadteigenen Schwänen bewohnt, was man damals als hoheitsrechtliches Zeichen verstand und sogar Beleidigungen der Schwäne wie eine "Majestätsbeleidigung" ahndete.
Eingerahmt von Villen, Parks und Grünanlagen, ist an manchen schönen Sommertagen auf der Alster "der Teufel los". Frühmorgens schon sind die Ruderer in ihren Rennbooten eifrig am trainieren, dann pflügen die Alsterdampfer durch das Wasser, Tretboote und Ruderer und natürlich viele Segelboote machen sich die Vorfahrt gegenseitig streitig. Dabei sind die Regeln ganz einfach. Aus den Zeiten, da die Alsterdampfer noch Linienschiffe mit festem Fahrplan und Anlegern waren und man sie mit U-Bahn-Fahrschein benutzen konnte, rührt ihre Vorfahrt vor allen anderen. Und der Rest weicht untereinander "Rechts vor Links" aus, egal, ob Tretboot, Ruderboot, Segelboot oder eines der wenigen Motorboote mit Sondergenehmigung.

An der Außen-Alster haben sich neben vielen anderen Vereinen auch die Segler ihre Clubhäuser gebaut, wie der HSC auf der Gurlittinsel (der einzigen Insel auf der Alster) oder der NRV an der Schönen Aussicht. Nur eines ist immer Mangelware: die Parkplätze in Clubnähe. Daher wird auch bei jedem neuen Bauwerk an der Alster gemunckelt, es würde endlich die Tiefgarage unter der Alster gebaut.
Die vielen Straßen, die zur Alster führen, haben für den Segler manchmal auch so ihre Tücken: der Wind dreht plötzlich um fast 180 Grad. Oder unser Clubkamerad, der am Schwanenwik im 3. Stock wohnt, hat gerade sein Wohnzimmerfenster geöffnet. Aber nicht nur die Straßen, sondern auch die unregelmäßige Bebauung der Ufer und die am Ufer stehenden Bäume sorgen für Turbulenzen in der Luft. Aber auch das hat seine Vorteile: "alte Alsterhasen" riechen jede Winddrehung im voraus und haben auch auf anderen Segelrevieren keine Probleme mit richtigen Schlag auf die richtige Seite.
Bedingt durch Lage und Form der Au&aszlig;en-Alster läßt sich auf ihr kein normales Dreick für Regatten auslegen. Das wurde früh erkannt und hat dazu geführt, daß die Vereine ihre eigenen Tonnen ausgelegt und sich ein Strickmuster ausgedacht haben, nach dem die Regattateilnehmer den Kurs absegeln. Heutzutage hat man sogar Nummern auf die Tonnen gemalt und diese in die Kurstafeln eingedruckt, früher wurde nur nach den Straßennamen gesegelt, vor denen diese Tonnen lagen. Form und Farbe dieser Tonnen haben hin und wieder für Verwirrung unter neu eingesetzten Alsterdampfer-Kapitänen gesorgt: sie beschwerten sich, wenn diese "Seezeichen" für Regatten verzogen wurden und sie nicht mehr nach ihnen navigieren konnten.
Eine Besonderheit des Reviers soll nicht unterschlagen werden: man kann die Alster auch von See her erreichen. Vorausgesetzt, man hat unten im Hafen, am Baumwall, seinen Mast gelegt und mehrere Leute zum Paddeln dabei, kann das auch sehr spontan geschehen. Anders, wenn man unter Motor die Alster erreichen will: Wochen vorher eine Motorgenehmigung für viel Geld bei der Behörde beantragen. Wer diese Hindernisse überwunden hat, braucht nur noch vor der Schaartorschleuse zu warten, bis sie geöffnet wird und schleust sich gegen eine geringe Gebühr in das Alsterfleet ein. In gemütlicher Fahrt mitten durch Hamburgs City kommt man zur Rathausschleuse. Nachdem diese passiert ist, muß man nur noch unter dem Jungfernstieg den Kopf kräftig einziehen, dann hat man die Binnen-Alster erreicht. Und nach Passieren der Lombards- und Kennedybrücke kann der Mast gestellt werden und man hat sein Ziel, die Außen-Alster erreicht.